Das Projekt

Das Altern der europäischen Bevölkerung wird in den kommenden Jahrzehnten sowohl Politik als auch Wirtschaft in EU Mitgliedsstaaten herausfordern. Obwohl die demographischen Veränderungen, aufgrund divergierender historischer Entwicklungspfade, im einzelnen geringfügig anders verlaufen werden, ergeben sich über ganz Europa recht ähnliche Probleme. Einerseits haben verbesserte soziale und medizinische Versorgung die durchschnittliche Lebenserwartung europäischer Bürger und Bürgerinnen deutlich erhöht. Zwischen 1960 und 1995, so die Europäische Kommission, sei die durchschnittliche Lebenserwartung für Frauen um sieben, für Männer sogar um acht Jahre gestiegen ist. Andererseits ist im gesamten europäischen Raum ein Geburtenrückgang festzustellen. Wurden noch in 1980 in der EU im Durchschnitt 1,8 Kinder pro Frau geboren, so waren es 2000 nur noch 1,53. Diese beiden demographischen Entwicklungen führen mittel- und langfristig dazu, dass der Anteil der über 65-jährigen in Bevölkerung rasant wachsen wird, während die Zahl der Jüngeren zurückgeht.

Dies führt unweigerlich zu Problemen in vielen gesellschaftlichen Teilsystemen. Insbesondere wird der demographische Wandel Druck auf europäische Arbeitsmärkte, Pension- sowie Gesundheitssysteme ausüben. Abgesehen von den in der Öffentlichkeit viel diskutierten Finanzierungsengpässen bei vielen Sozialversicherungssystemen, werden europäische Gesellschaften schon bald qualitative und strukturelle Lösungen zu Problemen wie z.B. den Arbeitskräftemangel oder Unterkapazitäten im Pflegebereich finden müssen.

Die Politik hat in fast allen europäischen Ländern in den letzten Jahren auf diese Entwicklungen reagiert. Jedoch waren die bisherigen Reformen von eher reaktiven Natur, ging es doch bei den Veränderungen im Arbeitsmarkt, in der Altersversorgung und im Gesundheitssektor bisher um das Anpassen sozialer Versorgungssysteme auf neue demographische Gegebenheiten. Die Herausforderungen des Alterns sind aber derart, dass ihnen mit einer reinen angebotsseitigen Politik wahrscheinlich nicht beizukommen ist. Daher haben Regierungen in ganz Europa, allen voran die österreichische Bundesregierung, neue und umfassende Strategien erarbeitet, wie man sich den Herausforderungen, die sich aus der demographischen Entwicklung ergeben, erfolgreich stellt.

Kernkonzept dieser seniorenpolitischen Strategie ist das sogenannte ‘aktive Altern’ oder active ageing. Dieses Konzept zielt darauf ab, die Barrieren, die älteren Menschen davon abhalten ein aktives Leben in Gesellschaft und Wirtschaft zu führen, abzubauen. Durch Maßnahmen wie z.B. lebenslangem Lernen am Arbeitsplatz, infrastrukturelle Veränderungen in der Gesellschaft, funktionierende Teilruhestandsregelungen oder präventive medizinische Vorsorge soll gewährleistet werden, dass ältere Europäer und Europäerinnen nicht mehr vom gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben ausgeschlossen werden.

Die Idee des aktiven Alterns und die dazugehörigen Maßnahmen bilden eine sehr ambitionierte Policy-Agenda. Das Gelingen dieses Projekts hängt nicht nur von grundlegenden Strukturreformen, sondern auch von einem paradigmatischen Wandel in der Gesellschaft ab. Hinzu kommt, dass diese umfassende Seniorenpolitk ein hohes Maß an politischer Koordinierung, sowohl zwischen Politikfeldern (z.B. Sozialpolitik oder Gesundheitspolitik) als auch zwischen politischen Ebenen (z.B. die nationale und die europäische Ebene) erfordert. Die Fragen, die sich das ActivAge Projekt stellt, sind:

 


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